Die ersten Algen sind im Wasser

Endlich ist es geschafft, ich habe die ersten Algen in ihr Element zurückgebracht. “Nur zwei Leinen!”, mag der Pessimist sagen. Ich antworte darauf: “Immerhin!” Jede und jeder hat mal klein begonnen.

Bereits im Sommer 2023 habe ich meine Teilnahme an der Aussaat der Algen in Bergen angekündigt, nur um kurz darauf wieder abzusagen. Dazwischen kam mir nämlich die Idee, im Gebiet meiner zukünftigen Farm selbst Testleinen auszubringen. Auch weil sich der Antrag zur Nutzung des Seegebietes leider in die Länge zieht.

Die Reise nach Ylvingen Mitte Oktober zu buchen war kein grosses Problem, etwas schwieriger wurde die Suche nach einem Partner, welcher mir zwei Testleinen organisiert. Zweimal 20 Meter, einmal mit saccharina latissima (Zuckertang) und einmal mit alaria esculenta (Flügeltang), sind halt nicht gerade lukrative Geschäfte, aber das kann sich ja in naher Zukunft ändern. Am Schluss hat sich mein Favorit doch noch positiv geäussert und ich habe bei Seaweed Solutions AS in Trondheim meine zwei Leinen auf den 20. Oktober am späteren Morgen bestellt. Die Firma liegt am Weg von Oslo nach Ylvingen. Von daher war es wirklich kein Problem, die Leinen persönlich abzuholen.

Am 17. Oktober 2023 bin ich also abends in den Zug nach Kiel gestiegen, von wo ich mit der Fähre nach Oslo weiter gereist bin. Dort habe ich ein Auto gemietet, um mit zwei Zwischenstopps nach Ylvingen zu fahren. Der erste aufgrund eines eCoachings, welches ich am 19. abends noch geben wollte. Dafür habe ich eine kleine Hütte auf einem Campingplatz gemietet. Das hat super geklappt. Am 20. Oktober musste ich früh los, damit ich am späteren Vormittag für den zweiten Zwischenstopp in Trondheim sein konnte. Später Vormittag wiederum war nötig, damit ich am Abend des 20. Oktobers die letzte Fähre vom Festland auf die Insel kriege. Logistik bis ins letzte Detail, ging aber prima auf und ich bin an diesem Abend müde von der langen Autofahrt ins Bett gesunken, aber glücklich, dass alles so gut geklappt hat.

Eigentlich hätte ich mich am nächsten Tag gerne etwas ausgeruht, aber das Wetter hatte andere Pläne. Es war praktisch windstill und wolkenlos und das nur an diesem einen Tag, da musste ich mit dem Ausbringen der Leinen einfach loslegen. Ich habe mir natürlich im Vorfeld mehrere Versionen überlegt, wie ich denn das machen will / soll. Zum Schluss wurde es eine Lösung mit einer Boje, von welcher zu beiden Seiten eine der Leinen schräg ins Wasser geht und am Grund jeweils mit einem grossen Stein verankert ist. So der Plan!

Da ich auch an diesem Samstag ein gut einstündiges eCoaching vereinbart hatte, musste ich früh aus den Federn, um davor noch ein paar Sachen zu überlegen und erledigen. So habe ich z.B. schonmal zwei Steine ausgesucht und angebunden, von welchen einer es später dann auch tatsächlich aufs geliehene Boot geschafft hat. Der andere war so unglücklich geformt, dass er beim Kranen aus dem Seil fallen wollte. Aber es gibt zum Glück genug Alternativen auf der Insel Ylvingen…

Nach dem Coaching bin ich zu unseren Freunden auf dem Bauernhof zu Besuch gegangen und kurz darauf hatte ich sogar noch zwei starke Hände mehr an Bord für mein Vorhaben. Bjørnar, der Landwirt, ist durch mich jetzt auch ein bisschen zum Seewirt geworden. Zusammen haben wir die Steine, die Baby-Algen, weitere Leinen, Bootshaken, Unterwasserkamera und natürlich den, zur Boje umfunktionierten, Fender aufs Boot geladen. Danach gings raus aufs Meer zur ca. 20-minütigen Überfahrt.

Nach einer kurzen Besprechung haben wir die erste Leine mit Stein ausgebracht, danach mit der Boje verbunden, die zweite Leine auch an die Boje gebunden und sind damit langsam in die Richtung gefahren, in welche wir das ganze ausrichten wollten. Zum Schluss ging auch der zweite Stein auf Grund und ich muss sagen, es hätte nicht besser laufen können! Beide Leinen sind schön in Ost-Westlicher Richtung schräg im Wasser. Und so in etwa diagonal sollten die Leinen auch sein, weil einer der erhofften Resultate die Erkenntnis wäre, auf welcher Wassertiefe die Algen am besten wachsen. Darum diese Ausrichtung, da sich die Algen so möglichst wenig selber beschatten. Wir werden sehen und jetzt heisst es abwarten…

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