So war ich jetzt also doch noch auf einer Algenfarm beim Ernten dabei! Warum “doch noch”? Es kam eigentlich alles etwas anders als ursprünglich geplant, aber eben “doch noch” zu einem guten Ende:
Ich war Ende April bereits unterwegs nach Norwegen, als ich die Info erhielt, dass sich mein Aufenthalt auf der Farm um knapp eine Woche verzögert. Aber macht nichts, ich bin flexibel und dann halt zuerst ein paar Tage in unsere Hytte am Fjord im Süden gezogen, bevor ich gen Bergen reiste. Dort gibt es immer was zu tun und ich habe in dieser Zeit auch einen weiteren Anlauf zur Firmengründung in Norwegen unternommen. Das ist jedoch eine andere Geschichte und wird in einem anderen Post dann mal beschrieben.
Jedenfalls bin ich Anfang Mai (endlich) in der Region Bergen eingetroffen und habe bereits am ersten Tag die volle Dröhnung mit einem sehr frühen Start um 4 Uhr auf der Farm erhalten. Das wegen der angesagten Wetterverschlechterung während des Tages. Also sind wir noch bei Dunkelheit los und ich habe versucht, mich an Bord einigermassen zurecht zu finden. Die anderen waren bereits ein paar Tage dran und darum natürlich eingespielter. Ich durfte als erstes an der Abfüllstation stehen. Das ist eigentlich die letzte Station im ganzen Ernteprozess, wo die abgeschnittenen und zerkleinerten Algen mit einem Gemisch aus Seewasser und Säure in grosse Tanks abgefüllt werden. So werden die Algen stabilisiert und der schnelle Zerfall gestoppt. Es gibt natürlich auch andere Verfahren zur Stabilisierung. Wichtig ist aber immer, dass die Algen so kurz wie möglich nur in ihrem Urzustand an der Luft sind. Nach ein paar Stunden wären sie bereits so weit verdorben, dass sie zu nichts mehr nützlich sind. Diese so stabilisierten Algen werden als Futterzusatz bei der Viehzucht verwendet, wo sie für eine Halbierung der Antibiotikaabgabe und einer Reduzierung des Methanausstosses der Tiere sorgen.
Die nächsten Tage begannen dann jeweils um 6 Uhr und gingen teilweise bis spät in den Abend hinein. Das Zeitfenster für die Algenernte ist relativ klein und man muss die guten Wetterverhältnisse nutzen – so gut es eben geht. Ich durfte ab dem dritten Tag mit einem Kollegen im Boot sein und die Leinen aushängen, welche dann von der Maschine hochgezogen werden für die Verarbeitung der Algen. Das hat mir natürlich sehr gut gefallen, da es diesmal an der ersten Station des Ernteprozesses war. Ich habe somit an den beiden arbeitsintensivsten Orten des ganzen Prozesses meine Erfahrungen sammeln können. Und von denen gab es einige… Ich hatte zum Beispiel das Gefühl, dass der ganze Erntevorgang etwas überdesignt ist. Alles sehr gross und relativ kompliziert aufgebaut. Und mit vielen Leuten an der Arbeit. Ich denke, da gibt es noch grosses Optimierungspotenzial. Aber darüber sind wir uns alle einig gewesen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt!
Ich danke an dieser Stelle Ocean Forest AS von Lerøy AS (einem weiteren grossen Nahrungsmittelhersteller in Norwegen), dass ich sie kennenlernen durfte und hoffe, dass wir in naher Zukunft eine Zusammenarbeit etablieren können!!!


Thanks Jan for your thoughts and impressions! It is great to hear how you make progress. Wishing you all the best, hope I can make it once to Ylvingen helping you for harvesting!
Best regards,
Adrian Birrer